Eckpunktepapier„Digitalisierungsoffensive für Uetersen!“

Die Corona-Pandemie zeigt uns in aller Deutlichkeit auf, wie weit wir mit der Digitalisierung fortgeschritten sind. Aber sie zeigt auch, wo weiterer Handlungsbedarf ist. 

Digitalisierung – Chancen und Risiken

Arbeit, Schule, Freizeit. Familie, Freunde. Unser gesamter Alltag steht Dank Corona unter dem Zeichen „Bleibt zu Hause und auf Distanz!“. Das hat uns in den vergangenen Wochen einiges abverlangt. Aber auch Neues gebracht. War „Digitalisierung der Gesellschaft“ bis vor Kurzem noch ein inhaltsloses Wortungetüm, erleben wir nun die Vorzüge der digitalen Möglichkeiten. Home-Office oder Mobiles Arbeiten mit Telefon- und Videokonferenzen gehören mittlerweile für viele zum Arbeitsalltag. Die sozialen Netzwerke, wie etwa Facebook, Instagram und Twitter ermöglichen die schnelle Organisation von Hilfsangeboten. Kunst und Kultur im Netz haben ein breites und zum Teil sogar neues Publikum erreicht. 

Bis wir einen Impfstoff gegen das Virus entwickelt haben werden wird es noch länger notwendig sein, die „Kurve flach zu halten“. Digitale Helfer werden uns daher länger begleiten, vermutlich auch nie wieder ganz verschwinden. Diese Entwicklung wird in erster Linie durch den Bund und das Land begleitet werden. Doch Uetersen darf diese Entwicklung nicht verschlafen. Vielmehr müssen wir uns jetzt als gesamte Stadt-Gemeinschaft auf den Weg in die Zukunft machen.

Das Ziel ist es, denn Menschen in der Stadt Uetersen eine moderne digitale Infrastruktur zu bieten. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um Uetersen als eine attraktive Stadt zum Leben und Arbeiten zu gestalten. 

Dazu gehören für mich folgenden Schritte:

Gesundheit

Um Ärzte, Krankenhäuser und Patienten besser zu vernetzten, werden digitale Gesundheitsangebote immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die Etablierung der elektronischen Patientenakte ab 2021 wird dieser Entwicklung einen weiteren Schub geben. Diese Entwicklung ist sehr stark von der Bundespolitik geprägt. Aber auch vor Ort kann dieser Weg unterstützt werden. Dafür gilt es, ein Online-Portal „Gesundes Uetersen“, u.a. Verzeichnis von Ärzt*innen mit Öffnungszeiten, aber auch Transport-Möglichkeiten zu Ärzt*innen, Präventionsangeboten, Kochkursen etc.., zu schaffen. 

Home-Office oder Büro, als Bürgermeister werde ich natürlich meistens im Rathaus sein!
Oder im Dialog vor Ort.

Wirtschaft

Die digitale Wirtschaft soll für Uetersen eine größere Rolle spielen. Die Nähe zu Hamburg und zu den Unternehmen im Kreis Pinneberg und in Norderstedt machen unsere Heimatstadt zum idealen Standort für moderne Unternehmen. Dabei gilt es auch durch digitale Netzwerke regionale Wirtschaftsstrukturen zu stärken.

– Home-Office und Mobiles Arbeiten wird auch im Arbeitsalltag nach Corona eine gleichwertige Option sein – im Einvernehmen mit den Arbeitgeber*innen, Arbeitnehmer*innen und deren Familien. Hier schlummern enorme Chancen für einen modernen und attraktiven Arbeitsplatz. Dies gilt auch für die Stadtverwaltung Uetersen.

– Telefon- und Videokonferenzen gilt es weiter im Arbeitsalltag der Verwaltung zu etablieren. Denn sie sparen nicht nur Zeit, sondern auch etwaige An- und Abreisen. Ein enormer ökonomischer und ökologischer Pluspunkt.

Lernen

Für die Uetersener Schulen werden schon jetzt die notwendigen Infrastrukturen geschaffen und geeignete Lernstrategien entwickelt. Diese Maßnahmen sind bereits im ersten Nachtrags-Haushalt fest eingeplant. Aber auch die Volkshochschulen sollen Teil dieses Prozesses werden.

– E-Learning wird an allen Schulen zum selbstverständlichen Angebot. Natürlich sollen die Schüler*innen nicht den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen. Doch ein gut durchdachtes und hochwertiges digitales Angebot hilft bei individueller Förderung, bei Lehrer*innenausfall und natürlich, wie wir gerade feststellen müssen, bei Schulschließungen.

Leben und Demokratie

– Flächendeckender Glasfaser- und Mobilfunkausbau sind unabdingbare Voraussetzung für die Entwicklung der Stadt, denn sie ist Grundvoraussetzung dafür, die Stadt als Wohnstandort für digital Arbeitende attraktiv werden zu lassen.

-Zusätzlich brauchen wir Instrumente der elektronischen Bürger*innenbeteiligung. Live-Schaltungen von Sitzungen im Internet mit Bild und Ton und Online-Portale zur Bürger*innenbeteiligung bei besonderen Projekten können die ersten Schritte dabei sein.

Verwaltung

– Alle Dienstleistungen der Stadt Uetersen müssen bis zum Jahr 2022 online verfügbar sein, wie es das Onlinezugangsgesetz des Bundes vorgibt. Ausweisverlängerung, Kfz-An- und Abmeldung, Gewerbeanmeldung – das alles und viel mehr wird von zuhause aus machbar sein. Selbstverständlich wird aber auch der persönliche Gang zum Amt weiter möglich bleiben.

– Eine elektronische Aktenverwaltung muss in der Verwaltung stufenweise, wie es jetzt schon in ganz viele Behörden der Fall ist, in allen Bereichen eingeführt werden.

– Alle Prozesse und Dokumente, die nicht durch Datenschutzregelungen geschützt sind, sollen online und transparent für jede und jeden verfügbar sein (Open-Data). Zusätzlich brauchen wir Instrumente der elektronischen Bürger*innenbeteiligung.

Auch in der Kunst: egal ob analog mit Film oder digital mit Chip – ich kann beides!
Ausstellung “Selfie” im Wenzel-Hablik-Museum 2019

Kommunikation

– Die Stadt soll aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen und Ereignisse über den Nachrichtendienst Twitter kommunizieren. 

– Instagram und Facebook sind zusätzlich als Kommunikations-, Diskussions- und Werbeinstrument zu nutzen.

– Der/Die Bürgermeister*in wendet sich regelmäßig per Videobotschaft an seine/ihre Bürger*innen. Hierzu sind möglichst viele verschiedene der verfügbaren Plattformen im Internet zu nutzen.

All diese Schritte werde ich als Uetersener Bürgermeister konsequent verfolgen.

Dabei sind auch die Risikofaktoren im Blick zu behalten, beispielsweise die Gefahr von Hackerangriffen und Überlastung des Netzes. Hier gilt es, für den Notfall mitzudenken. Die Corona-Pandemie zeigt uns auch, dass ganz plötzliche, bis dato unvorstellbare Ereignisse geschehen können. Darum muss es eine permanente Risikoeinschätzung und entsprechende Sicherungen geben.

Digitalisierung kann und soll den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Sie wird aber eine wertvolle Ergänzung in unserem täglichen Leben und in Zukunft nicht mehr wegzudenken sein.